Die moderne Medizin verspricht, dass der Tod nicht das letzte Wort behalten müsse und dass alle Krankheiten im Prinzip heilbar seien.
Über die Grenzen des Gesundheitssystems hinaus werden immer weitere Lebensbereiche durch Diäten, Fitnessprogramme und Vorsorgeuntersuchungen erfasst. Die permanent gewordene Abwehr des Todes reduziert das menschliche Leben dabei tendenziell auf die Sorge um das biologische Überleben.
Das Optimieren der physischen Funktionen erweist sich als neue, radikal säkulare Heilslehre. Der kranke menschliche Körper wird schließlich zur Ressource für einen medizinisch-technisch-ökonomischen Apparat, der sich über die Heilungsbedürftigkeit dieses Körpers zu legitimieren sucht.
An drei Abenden wollen wir die Rolle der Medizin für moderne Gesellschaften diskutieren.
1. Medizin: Wissenschaft, Erfahrung oder Glaube? (24.10.2017)
Kann sich Medizin ausschließlich auf die Naturwissenschaften berufen?
Impulsgeber:innen: Dr. Nadia Primc (Medizinethik, Uni Heidelberg), Dr. Elmar Wilde (Allgemeinmediziner, Hildesheim)
Moderation: PD Dr. Lars Leeten (Uni Hildesheim)
2. Alles unter Kontrolle (05.12.2017)
Welche Rolle spielen Psychopharmaka für das Funktionieren unserer Gesellschaft?
Impulsgeber:innen: Dr. Stefan Bartusch (MHH, Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie), Renate Seroka (Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e.V., Fachausschuss Psychopharmaka)
Moderation: Susann Kabisch M.A. (Uni Hildesheim)
3. Normal behindert (23.01.2018)
Wann gelten Menschen heute als „gesund“ oder „krank“, „normal“ oder „behindert“?
Impulsgeber:innen: Prof. Dr. Rainer Richter (Psychologischer Psychotherapeut) und Kristina Schmidt (HAWK Hochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen und Stiftung Universität Hildesheim, Inklusionsforscherin
Moderation: Prof. Dr. Andreas Hetzel (Hildesheim)